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Das Konzert

Tschaikowski's not dead

VergrößernMusik ist Leben: "Das Konzert" hilft einem ehemaligen Dirigenten, die Schrecken der Vergangenheit zu verarbeiten.
© 2010 Concorde Filmverleih GmbH
Er kann einfach nicht anders: Die Filme des in Rumänien geborenen Regisseurs Radu Mihaileanu sind unwiderstehlich temperamentvoll und unverschämt sentimental. 1998 machte der in Frankreich lebende Filmemacher mit "Zug des Lebens" aus der Deportation eines jüdischen Dorfes eine herzerwärmende Groteske, zum Lachen und zum Weinen gleichermaßen. 2010 ist das nicht anders. "Das Konzert" heißt Mihaileanus neuer Film, in dem er einmal mehr den Antisemitismus thematisiert und dessen schrecklicher Fratze eine beschwingte Ode an die Menschlichkeit entgegenstellt.

Am Anfang ist die Musik. Und nur die Musik. Andrei Filipov (Alexei Guskow) dirigiert am Moskauer Bolschoi-Theater Tschaikowskis Violinenkonzert in D-Dur. Ein erhabenes Werk, dessen Melancholie sich in pure Lebensfreude wandelt. Das Problem ist: Filipov ist nur Hausmeister. Seine Tage als Star-Dirigent sind längst vorbei. Die sowjetische Staatsführung hatte ihn und sein legendäres Orchester vor Jahrzehnten gefeuert. Filipov hatte sich damals für seine jüdischen Musiker eingesetzt, trotz der Regime-Parole "Zionisten sind Feinde des Volkes."

Heute ist das Bolschoi-Orchester nur noch eine Karikatur des legendären Klangkörpers von einst. Doch das soll nicht so bleiben: Filipov unterschlägt im Büro des Direktors ein Fax mit einer Einladung nach Paris und hat eine Eingebung wie einst die "Blues Brothers", nur eben in sinfonischer Besetzung.

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Die alte Orchesterbesetzung hält sich mittlerweile mit Gelegenheitsjobs und kleinen Gaunereien über Wasser. Filipov sammelt sie alle ein - mit hohem Tempo und liebevoll slapstickhaft als Tour de Force durch den russischen Alltag inszeniert. Hier trifft der moderne Kapitalismus immer wieder auf die sozialistische Vergangenheit - mit verschmitztem Blick baut Mihaileanu in schneller Folge ein wahres Absurditäten-Kabinett auf, das trotz des melancholischen Grundtons brüllend komisch ist.

"Das Konzert" mag zunächst etwas zu sehr auf Situationskomik und skurrile Figuren setzen. Doch mit der Ankunft des Orchesters in Paris ändert sich der Ton. Die Schmerzen der Vergangenheit werden spürbar - vor allem als Filipov, der seiner eigenen Dämonen nicht Herr wird, die Violinenvirtuosin Anne-Marie Jacquet (Mélanie Laurent) trifft. Die junge Frau soll unbedingt den Solopart in Tschaikowskis Opus übernehmen. Der Dirigent hat seine Gründe dafür, die Mihaileanu nur stückchenweise preisgibt - in einem schamlos schönen Puzzle, das aus vielen schrecklichen Erinnerungen besteht, aber trotzdem die Menschlichkeit und die Kraft der Musik feiert.

Angst vorm Pathos jedenfalls hat der Regisseur, der selbst jüdischer Abstammung ist und 1980 vor dem Ceaucescu-Regime aus Rumänien floh, nicht. Einige seiner Figuren mögen grobe Skizzen sein, und das Drehbuch mag sich sich einmal zu oft auf hektische Volten einlassen. Aber am Ende wird Tschaikowskis Musik erklingen - sein einziges Violinenkonzert und ein Werk, mit dem der russische Komponist einst selbst eine Depression bekämpfte. Es ist pure Lebensfreude, die sich am Ende Bahn bricht. So haltlos, wie die Tränen fließen werden. Auf der Leinwand und davor.

Andreas Fischer
Das Konzert
F / B / I / RO, 2009
Drama
Regie: Radu Mihaileanu
Darsteller: Alexei Guskow, Dmitri Nasarow, Mélanie Laurent u.a.
Starttermin: 29.07.2010
Quelle: "teleschau - der mediendienst"
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